Mayer und Zimmerly
Seit 57 Jahre sind Toni Mayer (links)und Rudi Zimmerly (rechts), beide mittlerweile 65 Jahre alt, Mitglieder der Fußballabteilung des TSV Göggingen. Grund genug, bei den beiden einmal nachzufragen, wie es denn damals so war, als sie zum ersten Mal beim TSV Göggingen gegen den Ball getreten haben.
Später sind beide Profis geworden und haben in der damals höchsten deutschen Liga gespielt, doch danach hat es sie wieder zurück zum TSV Göggingen gezogen. Nach Beendigung ihre Laufbahn bekleideten beide jahrelang Ämter im Vorstand der Fußball-Abteilung. Toni Mayer führt heute wieder die Stadiongaststätte, Rudi Zimmerly übernahm das Amt des Stadionsprechers.
Wann seid Ihr Fußballer beim TSV Göggingen geworden ?
Mayer: Im September 1945, kurz nach Kriegsende hieß es: In Göggingen wird wieder Fußball gespielt und man sucht auch Jugendliche. Da sind der Rudi und ich dann hingegangen.
Zimmerly: Und jeder musste ein weißes Hemd und eine schwarze Turnhose mitbringen. Das Hemd wurde weinrot gefärbt, und wir hatten unser erstes Trikot. Wenn es dann geregnet hat, ist uns die Brühe über die Arme gelaufen.
Mayer: Ich habe anfangs mit einer kurzen Lederhose gespielt, da ich keine Turnhose hatte.
Zimmerly: Lange Strümpfe wurden abgeschnitten, meine Mutter hat einen Gummi reingezogen, und schon hatten wir auch Stutzen.
Mayer: Gespielt habe ich mit Turnschuhen, bei denen vorne die Zehen herausgeschaut hatten. Später habe ich mir dann Fußballschuhe geliehen.
Wie lief der Spielbetrieb damals ab ?
Mayer: Es gab damals eine Erste und eine Zweite Mannschaft, dazu die Erste Schüler- und die Erste Jugendmannschaft.
Im Jahr 1947: Toni Mayer (hinten rechts) und Rudi Zimmerly (vorne rechts) in der
Schülermannschaft des TSV Göggingen
Zimmerly: Die Schülermannschaft ging bis 14 Jahre, die Jugendmannschaft von 14 bis 18 Jahre. Wer aber mit 14 noch unterernährt erschien, da gab es ein bestimmtes Maß, wurde gewogen und gemessen. War er zu leicht, durfte er noch länger in der Schüler spielen.
Mayer: Ich erinnere mich noch an einen, der spielte mit 16 noch in der Schüler.
Zimmerly: Sepp Motzet hieß unser Ziehvater. Er war Trainer, Jugendleiter und Manager in einem. Gespielt und trainiert wurde auf dem alten Platz neben der heutigen Karl-Mögele-Anlage, dort wo heute die neue B17 verläuft. Das war eine bessere Wiese. In einer Holzhütte zog man sich um.
Mayer: Eine Dusche gab es auch schon. Das war ein Pumpbrunnen im Freien.
Zimmerly: Die Gegner kamen allesamt aus Augsburg. Die Mannschaften, gegen die wir gespielt haben, waren dieselben wie heute: beispielsweise der TSV Schwaben Augsburg, die TG Viktoria oder der TSV Kriegshaber.
Mayer: Verschiedene Klassen gab es damals noch nicht, also auch keinen Auf- oder Abstieg !!
Zimmerly: Ab 1947 spielten wir auch außerhalb Augsburgs. An unser erstes Auswärtsspiel erinnere ich mich noch gut. Wir mussten in Marktoberdorf antreten und fuhren mit dem Zug dorthin - auf der Plattform sitzend. Ich dachte, wir machen eine Weltreise.
Mayer: Ein Gögginger Metzger hatte uns zwei Koffer voll mit Hackbraten spendiert. Der erste Koffer war bereits im Augsburger Hauptbahnhof leer gefuttert.
Was hat sich seit den Anfangsjahren verändert ?
Zimmerly: Alles. Früher gab es kaum was anderes als Fußball, vielleicht noch Handball oder Basketball. Wir haben nichts anderes gehabt, der Fußball hat zum Leben zugehört.
Mayer: Und das bis zum heutigen Tag.
Zimmerly: Es war Fußball mit viel Begeisterung und wenig Aufwand. Wenig Essen, aber viel Fußball.
Mayer: Wir haben barfuß mit Blechdosen gespielt, die ersten Bälle waren mit Seegras gefüllt, doch das war uns egal.
Zimmerly: Das Spiel ist das gleiche geblieben, wir hatten nur andere, schlechtere Voraussetzungen. Zum Beispiel hatten wir noch kein Flutlicht. Wir sind dann im Trainig im Dunklen herumgerannt und mussten Laufübungen machen.
Wie seht Ihr die Entwicklung des Vereins bis hin zur Gegenwart ?
Zimmerly: Beim TSV Göggingen ist es wie bei jedem anderen Verein auch: Er kann nur mit Geld überleben. Wenn einmal die Geldquellen versiegen sollten, gibt es in Göggingen keinen Fußball mehr.
Mayer: Es gibt nur mehr wenige, die sich für den Verein reinhängen. Ohne sie gäbe es die Fußball-Abteilung heute schon nicht mehr. Obwohl mir einiges nicht gefällt, ist es immer noch schön, am Sonntagvormittag zum Fußball zu gehen.
Zimmerly: Früher hat man keinen Spieler fragen müssen, ob er am Sonntag spielt. [...] Es ist hochinteressant zu beobachten, wie sich der Fußball entwickelt hat, wie man sieht, wie jemand für seine sportliche Betätigung entschädigt wird, wie er sich sein Hobby bezahlen lässt.
(Interview: Thomas Zimmerly)
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